Im Gespräch mit Speaker Michael Bierhahn

Escape Games Convention 2015
10
Aug

Warum eine Professionalisierung im Bereich Live Escape Games unumgänglich ist

Michael Bierhahn ist einer der ersten Gründer von Live Escape Games in Deutschland. Mit ExitGames Stuttgart eröffnete er im März 2014 seinen ersten Spielraum „Omas Wohnzimmer – 60er-Jahre“. Aus dem damaligen Hobby ist zwischenzeitlich ein Firmenverbund mit mehr als 30 Angestellten, verteilt auf drei Standorte und sechs Spielräume, geworden.

Als Speaker bei der Escape Games Convention stellt Michael am 4. September 2015 seine persönliche Zukunftsvision vor und geht auf die, seiner Meinung nach, dringend notwendige Professionalisierungsphase in der Branche ein. Wir haben Michael getroffen und hatten die Gelegenheit, bereits vorab einen kurzen in seine bisherigen Erfahrungen zu erhalten.

Hallo Michael, wir freuen uns, dass du als Speaker bei der Escape Games Convention mit dabei bist! Wie bist du damals auf die Branche der Live Escape Games aufmerksam geworden?

Michael Bierhahn: Richtig aufmerksam wurde ich auf Live Escape Games im Dezember 2013 während einer Städtereise mit meiner Frau in Budapest. Eigentlich wollten wir nur ein Escape Game spielen. Daraus wurden dann vier Spiele, da wir beide total begeistert von dem Spielkonzept waren. Zurück in Deutschland recherchierte ich im Internet und konnte lediglich zwei Anbieter in Köln und München finden. Da es in ganz Baden-Württemberg noch kein Angebot gab, beschloss ich kurzer Hand selbst eines zu schaffen.

Welche Erfahrungen hast du bisher als Anbieter von Live Escape Games gemacht?

Michael Bierhahn: Live Escape Games bereiten den Spielgruppen durchgängig viel Spaß und das Feedback ist ausschließlich positiv, teilweise sogar überwältigend. Dies ist für einen Anbieter – neben der betriebswirtschaftlichen Perspektive – der tägliche Antrieb. Neben Bowling, Paintball, Kletterpark, Lasertag und Kino bieten unsere Spiele seit langem mal wieder eine echte Alternative.

In Zukunft werden die Möglichkeiten in der Umsetzung neuer, spannender Spielkonzepte schier grenzenlos sein

Live Escape Games ist ein relativ neuer Trend in der Freizeitgestaltung. Die Branche wächst jedoch rasant. Wie hat sich das Angebot seit den ersten Spielräumen weiterentwickelt?

Michael Bierhahn: Das Angebot von Live Escape Games entwickelt sich von Tag zu Tag weiter. Zu Beginn reichte es aus mit z. B. Sperrgut und laminierten Zetteln, die als Rätselkarten dienten, den Spielraum zu gestalten. Rätselaufgaben holte man sich aus dem Internet oder in knappen Kreativphasen. Die Überwachungstechnik kam von Amazon und die Website war in wenigen Tagen startklar. Kaum einer hatte Anfang 2014 Themen wie CE-Kennzeichnung, von zugelassenen Elektrikern abgenommene Verkabelungen, den Datenschutz oder einen Mitarbeiterpausenraum mit Tageslicht im Kopf. Man hat einfach losgelegt und hatte damit Erfolg. Nun aber ändert sich der Markt. Die Branche erregt immer mehr Aufmerksamkeit und dies hat nicht nur positive Auswirkungen. Wer schon einmal die Baukontrolle oder das Gewerbeaufsichtsamt vor Ort hatte, weiß wovon ich spreche. Die volle Wucht der deutschen Richtlinien und Verordnungen kommen nun zum tragen. Nicht jeder Anbieter hat das finanzielle Polster und die Kapazität alle Auflagen zu erfüllen. Für unsere Kunden entwickelt sich das Angebot der Live Escape Games jedoch nicht nur quantitativ, sondern eben auch qualitativ weiter. Immer mehr Hightech wie beispielsweise Sensorik, Aktorik und digitale Komponenten wie Software wird eingesetzt und auch die Locations werden immer professioneller. Ich freue mich sehr auf die Zukunft, denn die Möglichkeiten für die Umsetzung neuer, spannender Spielkonzepte scheinen fast grenzenlos.

Die großen Player werden wachsen und kleinere Anbieter verschwinden

Wie lange wird es noch dauern, bis eine Marktsättigung eintritt?

Michael Bierhahn: Erst vor kurzem war ich in Asien und habe mir dort den Markt näher angeschaut. Vor allem in Singapur und Malaysia ist zu beobachten, dass kleine Anbieter wieder verschwinden und die großen Player noch größer werden. In Deutschland hat jeder Anbieter im Durchschnitt 2,2 Spielräume. Diese Zahl wird sicherlich deutlich ansteigen, die Anzahl der Anbieter dürfte meiner Meinung nach aber dieses Jahr seinen Höhepunkt erreichen. Zwischenzeitlich kenne ich bereits fünf Anbieter in Deutschland, die ihren Betrieb aus finanziellen Gründen wieder einstellen mussten.

Worin siehst du die größten Herausforderungen in der Zukunft für Spielstättenbetreiber im europäischen Markt?

Michael Bierhahn: Sicherlich werden uns die Verordnungen und Richtlinien in sämtlichen Bereichen viel abverlangen. Spätestens wenn der TÜV eine Abnahme von einem Spielraum durchführt, dann müssen auch die kleinsten technischen Mängel behoben werden. Die Zeiten der Semi-Profi-Arbeiten sind dann vorbei. Global gesehen glaube ich, dass China eine ganz wichtige Rolle spielen wird. China überschwemmt schon jetzt die chinesischen Anbieter und andere asiatischer Länder mit kostengünstigen aber hoch individualisierten auf das Raumkonzet abgestimmten Hightech-Produkten. Dies ist für die Anbieter der westlichen Industriestaaten eine ernstzunehmende Tatsache, da wir kostenseitig bei solchen Entwicklungen nicht mithalten können. Die Benchmark-Räume finden sich derzeit definitiv in Asien. Ein weiterer Aspekt ist sicherlich die schwierige Situation eine geeignete und aber auch bezahlbare Immobilie zu finden. In einigen Städten suchen wir seit mehr als sechs Monaten nach geeigneten Objekten und sind bis heute nicht fündig geworden. Wer sich schon einmal mit einem Bauantrag auf Nutzungsänderung beschäftigt hat, weiß, welche Auflagen an eine geeignete Spielstätte gestellt werden. Es beginnt bei den Stellplätzen, geht weiter mit dem Brandschutz über die Barrierefreiheit und der Belüftungsanlage und endet beim Pausenraum für Mitarbeiter mit Tageslicht. Aber letztlich sind Herausforderungen da, um sie zu meistern. Und wir meistern sie tagtäglich und erfolgreich und freuen uns, ein Teil der Live Escape Games Branche zu sein.

Vielen Dank für das Interview Michael.

In seinem Vortrag „Lessons Learned: Professionalisierung am Beispiel von ExitGames Operations“ auf der Escape Games Convention habt ihr die Gelegenheit, weitere Impulse über die mögliche Zukunftsgestaltung der Branche zu erhalten und Euch mit Michael Bierhahn persönlich auszutauschen. Gestaltet die Zukunft von Live Escape Games aktiv mit und sichert Euch noch schnell ein Ticket über Eventbrite.

 

Kurzbiografie

MichaelBierhahn

Michael Bierhahn hat zusammen mit zwei Freunden im Januar 2014 ExitGames Stuttgart als Hobby-Projekt gegründet und eröffnete im März 2014 seinen ersten Spielraum „Omas Wohnzimmer – 60er-Jahre“. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland lediglich zwei weitere Anbieter von Live Escape Games. Aus der Marke „ExitGames Stuttgart“ ist zwischenzeitlich ein Firmenverbund mit mehr als 30 Angestellten, verteilt auf drei Standorte und sechs Spielräumen, geworden. Er selbst hat seinen Job als leitender Angestellter kürzlich aufgegeben, um an der Spitze von ExitGames die kommenden Ziele und Herausforderungen zu meistern.

Nach knapp 1,5 Jahren Betriebsphase und mehr als 1.400 durchgeführten Spielen berichtet Michael Bierhahn von seinen praktischen Erfahrungen und der seit Monaten anhaltenden – dringend notwendigen – Professionalisierung innerhalb des Firmenverbundes. Er ist sich sicher, dass auf die aktuelle Gründungs- und Expansionsphase ein fließender Übergang in die Professionalisierungsphase stattfinden wird. Damit einhergehend wird sich – so ist sich Michael Bierhahn sicher – der derzeit stark wachsende Markt von Live Escape Games selbst bereinigen. Er wird neben seinen Lessons Learned bei ExitGames auch die daraus abgeleitete Unternehmensstrategie vorstellen.

 

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